GALAXIENGESUNDHEITSRAT

STAATENBUND DER KÖNIGREICHE WEDENLAND

Beweise daß die Bienenzellen früher kleiner waren – Verleugnung der Geschichte

Immer wieder erscheinen besonders in deutscher Sprache Artikel, denen zufolge eine Vergrößerung der Zellmaße geschichtlich nie stattgefunden habe; vielmehr sei das, was passiert ist, eine Rückkehr zum normalen, größeren Zellmaß. Und die Verkleinerung der Zellgröße sei etwas unnatürliches. Wie kommt das?

SC Smal
In englischer Sprache gibt es viele Textquellen aus dem 19. und 20. Jahrhundert, die keinen Zweifel daran lassen, dass eine Vergrößerung des Zellmaßes stattgefunden hat. (Zu nennen sind hier: Wildman, Cowan, Root, Cheshire, Bee World aus den 1930ern, etc.)

Die Ikone Enoch Zander:

Eine der alten deutschen Ikonen der Bienenhaltung ist Enoch Zander (1873 – 1957). Sein Buch „Die Zucht der Biene“ wurde erstmals 1920 veröffentlicht. Nach seinem Tod erschienene Ausgaben wurden unter dem geänderten Titel „Haltung und Zucht der Biene“ herausgegeben; sie wurden von Friedrich K. Böttcher überarbeitet. 1989 erschien es in 12. Auflage. Dieses Buch ist das klassische Buch über  Bienenhaltung in Deutschland.

SC Zander

Das Foto zeigt einen Teil der Seite 236 der 5. Auflage von 1941. Clicken Sie das Bild zum Vergrößern an, dann können Sie es besser lesen (wenn Sie Fraktur lesen können). Um auf diese Seite zurückzugehen, drücken Sie bitte die „Zurück-Taste“ Ihres Browsers, gewöhnlich in der linken oberen Ecke.

Zur  Umrechnungen in mm habe ich folgende Formel benutzt:

X=100÷√(A÷2.315)
wobei X für die Zellgröße im mm und A für die Anzahl von Zellen pro dm² steht.

Überprüfung der Formel:
A=23150÷X2

Errechnung der Zellenanzahl pro Quadratdezimeter

Um die Anzahl der Zellen pro Quadratdezimeter zu erhalten in einer Bienenwabe von bestimmten Zellgrößen verwende diese Formel:

Anzahl der Zellen pro Quadratdezimeter = 2,3 x N²

wobei N die Anzahl der Zellen ist in einem Dezimeter (10cm), horizontal gemessen (maß über die senkrechten Zellenwände „richtig herum“.) Diese Formel ist von G. Muzzati , und wird in der Januar Ausgabe von  L’Apicoltore d’Italia veröffentlicht, (XV, Nr. 1, 1948)

 

Weiter vorn im Buch gibt es Zahlen, die diesen Aussagen widersprechen. Und zwar Zellgrößen, die von einigen russischen Imkern, Tuenin und Bogdanov angegeben werden. In der 12. Auflage von 1989 wird gesagt, dass Tuenin in Tula (das liegt 120 km südlich von Moskau) Zellgrößen zwischen 4,99 mm und 5,26 mm gemessen hat.
Bogdanov hat in Leningrad 5,53 mm bis 5,69 mm gemessen. (Ich bin nicht sicher, ob diese Zellgrößen in Rähmchen mit oder ohne Mittelwänden gemessen wurden. Und wenn sie von einem Stock ohne Mittelwänden gemessen wurde, waren die Bienen dieses Stocks in Waben mit großzelligen Mittelwänden erbrütet? Wenn die Leningrader Zahlen z. B. von einem Schwarm eines auf Zellgröße 5,4 mm – 5,7 mm sitzenden Bienenstocks stammen, kann es gut sein, dass die vorgegebenen Zellgrößen auch in der ersten Zeit ohne Mittelwände beibehalten werden. Die nächste Generation wird sie gleichmäßig kleiner ausziehen, wenn ihnen die Chance dazu gegeben wird.)
Der Widerspruch zwischen diesen Zahlen und den Schlussfolgerungen wird noch deutlicher, wenn wir mit der 5. Auflage vergleichen Hier sind als Größen von Tuenin aus Tula „4,74 mm bis 5,00 mm“ angegeben. Die Änderungen in der 12. Ausgabe lassen den Widerspruch durch kleine Zahlenänderungen kleiner erscheinen. (kann doch nicht so viel ausmachen, oder?)

Der Einfluss dieses Standardwerks

Die Mehrheit der deutschen Imker, denke ich, lesen immer noch dieses Buch und vertrauen natürlich dieser Autorität. Eine Ikone kann nicht falsch liegen, nicht wahr? Ich glaube, dieses Buch ist ein wichtiger Grund dafür, dass die Meinung immer wieder auftaucht, dass es nie eine Vergrößerung der Zellgröße gegeben habe.
Der Imker Tobias Stever hat einen Artikel über Zellgrößen auf  seiner website veröffentlicht. Seine Schlussfolgerung ist, dass keine Vergrößerung durchgeführt wurde und somit eine Rückführung auf eine kleinere Zellgröße heutzutage nicht natürlich ist.
http://www.bienenarchiv.de/veroeffentlichungen/2003_zellengroesse/z...

Historische Messungen

Diese Schlussfolgerung von Stever steht im Widerspruch zu seiner eigenen Liste historischer Messungen von Zellgrößen. Beim Lesen seiner und anderer Artikel  über Zellgrößen ist es schwer ein Verständnis dafür zu gewinnen, dass unterschiedliche Zellgrößen im Bienenstock für einen unterschiedlichen Zweck von den Bienen gebaut werden.   Und dass unterschiedliche Größen oft an bestimmten Orten der Wabe und innerhalb des Stocke gefunden werden.

Die Zellgröße im Bienenstock

T. W. Cowan erwähnt in einem Buch (1890), dass größere Zellen normalerweise an den Rändern und kleinere im Zentrum der Wachswaben zu finden sind. Wenn man heute Top-Bar-Hives untersucht, bei denen die Waben ausreichend weit nach unten reichen, findet man die am größten gebauten Zellen grundsätzlich im obersten Bereich und am weitesten vom Flugloch entfernt. Also dort, wo hauptsächlich Honig abgelagert wird und wo keine Brut aufgezogen wird. Wenn ein solches Volk nicht aus  großzelligen Bienen gebildet wird, findet man wahrscheinlich 5,1 mm oder kleinere Zellmaße näher zum unterem Rand und zum Flugloch hin.

SC TBH
Eine Top-Bar-Wabe von Dennis Murrel in Montana. Die kleinsten Zellgrößen am unteren Rand nahe des Fluglochs. Die größten weit weg vom Flugloch am oberen Rand.

Beispiele für Messungen

Bei diesen ganzen Messungen: wo wurden die Beispielmessungen vorgenommen? Und wie viele Beispielmessungen wurden vorgenommen? Wurden im gesamten Stock Messungen vorgenommen? Haben die Bienen die vermessenen Waben ohne die Hilfe von Mittelwänden gebaut? Stammt  der Schwarm aus einem großzelligen Volk oder von einem Bienenvolk, das seit einigen Generationen auf selbstgebauten Waben (d. h.: ohne Mittelwandgaben) lebt)?

In einigen Beispielen werden die kleinsten und die größten Zellgrößen genannt, die gefunden wurden. In diesen Fällen weiß man, dass mehr als eine Messung vorgenommen wurde, aber selten gibt es Angaben über die Anzahl der vorgenommenen Messungen und wo sie innerhalb des Stocks vorgenommen wurden.

Folgerichtig muss man die Originalbücher und -artikel lesen, um herauszufinden, wie akkurat die Messungen waren in Bezug auf die Frage, wie natürlich die Zellgrößen dieser Bienen sind.

Cowan

Ein in dieser Hinsicht gutes Buch ist ”The Honey Bee-Its Natural History, Anatomy and Physiology”, Houlston & Sons (1890), von T. W. Cowan, auf den Seiten 179-181. Dieses Buch kann hier online gelesen werden:
http://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=wu.89094199411;view=1up;seq=10

Weitere Literatur

Thomas Wildman aus England nennt in “A Treatise on the Management of Bees” (1770) Zellgrößen von 4,6 mm bis 5,1 mm. T. W. Cowans aus England in  ”The Honey Bee-Its Natural History, Anatomy and Physiology” (1890) nennt 4,72 mm [1,86 inch auf 10 Zellen] bis 5,36 mm [2.11 inch auf 10 Zellen], Seite 181). Cowan gibt auch eine Durchschnittsgröße an: 1/5 eines  inch ≈ 5,08 mm. Das ist eine einfache Zahl  – 5 Zellen auf 1 inch (eine übliche Umrechnung auf die Größen von Mittelwänden war 900 Zellen pro dm²; das war einmal eine Einheit, nach der Mittelwände klassifiziert wurden, nämlich danach, wieviele Zellen pro dm² sie enthielten). A. I. Root aus den USA übernahm die Größe von 5 Zellen pro inch als Maß für die ersten Walzen zur kommerziellen Mittelwandherstellung (1876).

Vergrößerung

Im späten 19. Jahrhundert propagierte Usmar Baudoux aus Belgien die Vergrößerung der Bienen und damit der Bienenrüssel zur Steigerung des Honigertrags. Er hielt 700 Zellen/dm2 für eine gute Größe (Zellgröße: 5,74 mm). Er veröffentlichte zu diesem Thema 1933 und 1934 eine Reihe von Artikeln in der Zeitschrift „Bee World“. H. Gontarski veröffentlichte 1935 seine Arbeit über den Gebrauch größerer Zellen. Sein Schluss war, dass eine Zellgröße von 5,8 mm die obere Grenze des Möglichen sei. Bei größeren Zellen könne ein Bienenvolk sich nicht stark entwickeln. Wir sprechen hier über die Größe von BRUTzellen.

SC Baudoux3
Eine Abbildung aus „Bee World“ vom Januar 1934 von Baudoux. Sie zeigt die unterschiedlichen Größen von Arbeiterinnen, die in unterschiedlich großen Zellen erbrütet wurden. Die größte Biene (Nr. 1) stammt aus einer Zelle von 6,0 mm, die kleinste (Nr. 9) aus einer Zelle von 4,7 mm)

Alle bis auf  Frank Cheshire aus England strebten größere Bienen an. Er verteidigte (dagegen) in seinem klassischen Buch in 2 Bänden 5 Zellen pro inch. “Bees & bee-keeping : scientific and practical”, L Upcot Gill (1886-1888), Frank R. Cheshire, Teil 1, S. 176, Teil 2, S. 315-318. Dies kann über den folgenen Link nachgelesen werden:http://catalog.hathitrust.org/Record/005782980

SC Cheshire
Einige Textbeispiele aus  dem Buch von Frank Cheshire.

Was passierte dann?

Das Verständnis für verschiedene Zellgrößen sogar auf (ein- und) derselben Wabe schien zu fehlen. Verschiedene Zellgrößen dienen oft verschiedenen Zwecken, Brut in den kleinsten Zellen, Honig in den größten Zellen.
Den Bienen wurden neue Mittelwände oft in den Honigräumen oberhalb der Brut gegeben, dort, wo die Zellgrößen natürlicherweise größer sind als im Brutnest. Zur Erinnerung: eine Zellgröße von 5,1 mm (5 Zellen pro inch) war der Durchschnitt aller Zellgrößen im Bienenstock. Jetzt gab es diese wie früher in kleineren Zellen erbrüteten Bienen nicht mehr, die diese kleineren Zellen hätten korrekt bauen können. Mit der Einführung von Mittelwänden waren sie nicht mehr vorhanden.

Die Größe, die Bienen natürlicherweise bauen, hängt von vielem ab:

  1.  wie groß die Bienen selbst sind,
  2.  ihrer eigenen Genetik,
  3. das Futter, das sie erhalten. Und das Futter hängt wiederum ab von der Zellgröße.

Manchmal hat das zu Problemen für die Bienen dabei geführt, die Mittelwände gut genug auszubauen, insbesondere dann, wenn es reiche Tracht gab – die Bienen wollten Zellen, um Honig abzulagern.

Der beste Ort um kleine Zellen auszuziehen, ist UNTER dem Brutnest, der nächstbeste IN DER MITTE oder AN DEN SEITEN und NAHE DEM BRUTNEST.

In „Gleanings of Bee Culture“ vom Dezember 1938, plädierte der Sohn von A. I. Root, E. R. Root, für zweierlei:

  1.  die Zellgröße sollte nicht kleiner sein als 5,2 mm und
  2. die Zellgröße sollte nicht größer sein als 5,2 mm.

Das Argument dafür, dass die Zellen nicht kleiner sein sollten, war, dass die Bienen 5,2er Mittelwände besser ausbauten als 5,1er.

Das Argument dafür, dass die Zellen nicht größer sein sollten, war dasselbe, das Frank Chesire aus England vorbrachte.

Cheshire argumentiert entschieden gegen eine Vergrößerung, da die Bienen aus dem Takt der Natur gerieten. Aber Cheshire argumentierte gegen eine Vergrößerung ausgehend von 5,1 mm.

Einige neuere Messungen

Thomas Seeleys Messungen von wilden Bienenvölkern im Wald von  Arnot im Nordwesten der USA werden manchmal als Argument gegen kleine Zellen genannt. Sein Ergebnis ist jedoch 5,2 mm – im Durchschnitt. Und Sie wissen, was Durchschnitt meint, nicht wahr? Kleinere Zellgrößen, wo sich die Brut befindet und größere, wo der Honig abgelagert wird. Dazwischenliegende Größen für beide Zwecke, je nach Notwendigkeit.

SC Seeley

Tom Seeley hat im Rahmen der Londoner Honig-Ausstellung im Oktober 2011 eine Reihe von ausgezeichneten Vorträgen gehalten, denen ich beiwohnen konnte. In einem davon beschrieb er detailliert seine Arbeit der Untersuchung wilder Bienenvölker im Wald von Arnot.

Im Jahr 2002 kümmerte sich Leif Hjalmarsson in Südschweden um ein Bienenvolk einer Witwe, die  ihren Ehemann 10 Jahre zuvor verloren hatte. Er war Imker mit 10 Völker. Keiner hatte sie nach dessen Tod angerührt. Es könnte ein Schwarm gewesen sein, der sich in einer der Beuten niedergelassen hatte oder ein überlebendes Volk, um das sich Leif kümmerte. Viele Waben waren von den Bienen erneuert worden. Augenscheinlich war die Zellgröße der ursprünglichen Mittelwand 5,4 mm. Jetzt bewegten sich die Zellgrößen zwischen 4,77 mm und 5,4 mm.

SC Skåne
Einige der Messungen an erneuerten Waben vom Bienenvolk, um das sich Leif Hjalmarsson kümmerte.

Ich selbst habe dort, wo meine Bienen Rähmchen ohne Mittelwände oder ähnliches zur Verfügung hatten Zellgrößen hinunter bis 4,55 mm gemessen. Ganz übliche Größen waren um 5,0 mm herum herauf bis zu 5,4 mm. Normalerweise benutze ich 4,9 mm

Mittelwände für das Brutnest. Die meisten meiner Bienen haben keine Probleme, 4,9mm-Mittelwände gut auszubauen. Nach der Selektion auf Varroa-Resistenz bauen sie sogar 4,9er Mittelwände im Honigraum gut aus. Zufall oder Nebeneffekt? Sie überwintern gut, geben eine gute Honig-Ernte und schwärmen nicht mehr als in den Zeiten, als ich sie auf großen Zellen hatte.

SC 455mm
Hier sind meine Bienen nicht der 4,9mm-Mittelwand-Vorgabe gefolgt, als sie einige Zellwände erneuert haben, die ich abgetragen hatte um einfacher an Larven zur Königinnenzucht zu gelangen. Hier haben sie die Zellen in der Größe von 4,55 mm ersetzt und die Königin hat diese Zellen bestiftet.

Ich gehe mal davon aus, dass meine kleinzelligen Bienen in höherem Maße im Einklang mit der Natur sind, stärker biologisch optimiert und deshalb besser gerüstet sind, ein gesundes Leben mit wenig oder keiner besonderen Hilfe durch mich zu führen.

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