GALAXIENGESUNDHEITSRAT

STAATENBUND DER KÖNIGREICHE WEDENLAND

Eine Reiterin aus der Zukunft

Ich sah, wie aus der Siedlung eine Kutsche fuhr oder vielmehr eine Kalesche mit nach hinten geklapptem Verdeck, gezogen von einem kastanienbraunen Pferd. Auf dem gepolsterten Sitz saß eine ältere Frau, vor ihr standen Körbe mit Äpfeln und Gemüse. Vorn stand ein etwa siebenjähriger Knabe mit entblößtem Oberkörper, die Zügel in den Händen. Allerdings hingen die Zügel locker herab -

das Pferd beschritt offenbar eine bekannte Route.

Die Reisenden schienen es nicht besonders eilig zu haben.

Der Junge wandte sich seiner Großmutter zu und sagte etwas zu ihr. Seine Oma lächelte und stimmte ein Lied an, der Junge sang den Refrain mit. So fuhren die beiden singend durch die Felder. Der Feldweg verlief parallel zur Autostraße, etwa einen Kilometer von ihr entfernt. Viele Touristen betrachteten die Kalesche durch ihre Ferngläser, mit angehaltenem Atem, als hätten sie ein Wunder vor sich oder Außerirdische. Ich verfiel wieder ins Nachdenken; irgendetwas missfiel mir an der Sache: Da kommen Menschen von weither, doch sie können nicht normal mit den Bewohnern ihres Gastlandes kommunizieren. Nur von weitem beobachten dürfen

sie sie. Und die beiden in dem Pferdewagen blickten nicht einmal zurück. Einer der Busse drosselte seine Fahrt und fuhr parallel zur Pferdekutsche einher. In diesem Bus saß eine Gruppe ausländischer Kinder. Sie winkten dem Wagen mit der Großmutter und ihrem Enkel zu. Höchstwahrscheinlich galten ihre Grüße dem Kleinen, aber der schaute nicht einmal in ihre Richtung. Plötzlich erschien aus den mit Ranken üppig umwundenen Tor der Siedlung eine junge Reiterin. Ihr braunes Ross galoppierte der Kalesche hinterher und bäumte sich ungestüm auf, als es sie eingeholt hatte. Die Alte hörte lächelnd zu, was ihr die junge Reiterin zu sagen hatte.

Der Knabe war anscheinend nicht sehr froh über die Gesangspause und sagte belehrend, aber mit verhohlener Freude: «Mama, du kannst auch nicht eine Minute still zu Hause sitzenl» Die junge Frau lachte auf und reichte dem Jungen eine Apfelpirogge, die sie aus der Satteltasche holte. Er nahm die Pirogge, biss hinein und reichte sie seiner Oma mit den Worten: «Probier mal, Oma, ist noch ganz warm.›› Dann straffte er die Zügel und brachte die Kalesche zum Stehen. Er beugte sich nach hinten, hob mit beiden Armen

einen Korb voller reifer Apfel auf, reichte ihn der Reiterin und sagte:

«Bitte, Mama, bring das zu ihnen», wobei er auf den inzwischen stehen gebliebenen Bus mit den ausländischen Kindern deutete. Die junge Reiterin nahm den schweren Korb mit Leichtigkeit in eine Hand, gab ihrem hitzigen Pferd mit der anderen Hand einen Klaps an den Hals und sprengte in Windeseile zum Bus mit den Kindern los. Hinter diesem Bus waren noch weitere Busse stehen geblieben,und sie alle warteten mit Begeisterung auf die herannahende

Reiterin mit dem Apfelkorb. Die Siedlerin ritt auf die aus dem Bus strömenden Kinder zu, brachte das Pferd zum Stehen, beugte sich geschickt aus dem Sattel zur Straße herab und stellte den Korb, ohne abzusteigen, vor den begeisterten Kindern ab.

Sie strich einem dunkelhäutigen Jungen über den Kopf, winkte allen Touristen noch einmal zum Abschied, dann schwenkte sie mit ihrem Ross um und ritt mitten auf der Straße davon. Der Fahrer des Busses mit den Kindern gab per Funk an seine Kollegen durch: «Sie galoppiert auf dem Mittelstreifen davon. Sie ist traumhaft schön.»

Viele Touristenbusse fuhren auf den Seitenstreifen und blieben stehen. Die aus den Bussen strömenden Passagiere stellten sich an den Fahrbahnrand und betrachteten atemlos die dahingaloppierende Schönheit. Nicht durch lautes Ausrufen, sondern im Flüsterton brachten sie ihr Staunen zum Ausdruck. Und Grund zur Begeisterung hatten sie allemal. Der feurige Hengst schlug im Galopp mit seinen Hufen Funken aus dem Asphalt. Ohne Peitsche und Sporen beschleunigte er seinen ungestümen Lauf. Seine Hufe schienen kaum den Boden zu berühren, und seine Mähne flatterte wild im

Gegenwind. Wahrscheinlich war er auf seine Reiterin sehr stolz, und das zu Recht, denn sie war wirklich außergewöhnlich schön. Zu diesem Eindruck trugen gleichermaßen ihre ebenmäßigen Gesichtszüge,

ihr dunkelblonder Zopf und ihre dichten Wimpern bei.

Unter ihrer handbestickten weißen Bluse und ihrem mit weißer Kamille verzierten Rock zeichneten sich verführerische weibliche Formen ab, ja ihre ganze Figur schien von einer unbändigen Energie clurchdrungen zu sein. Die Röte ihrer Wangen enthüllte die Größe und das Potential dieser unbekannten Energie. Durch ihr kerngesundes

Äußeres hob sich die junge Reiterin von den Menschen

am Straßenrand ab. Sie ritt auf ihrem Hengst ohne die geringste Anstrengung. Weder hielt sie sich am Sattelbug noch am Zügel fest, und auch Steigbügel benutzte sie keine - ihre Beine hingen einfach an den Flanken des Pferdes herab. Mit gesenktem Blick band sie sich gewandt mit beiden Händen ihren Zopf straffer zusammen. Manchmal hob die junge Schönheit ihre Augen, und wenn dann jemand aus der Menge am Straßenrand ihren Blick auffıng, durchfuhr es ihn wie ein unsichtbares, angenehmes Feuer.

Es schien, als suchten die Menschen wenigstens etwas von der lichten Energie zu erhaschen, die die Reiterin verströmte. Sie verstand das Ansinnen der Leute und ließ sie Anteil haben an ihrer Gegenwart, wahrend sie in ihrer Schönheit und Pracht vorwärts ritt. Plötzlich lief den beiden ein temperamentvoller Italiener mit gespreizten Armen in den Weg und rief begeistert: «Russia, l love you, Russial» Das Pferd bäumte sich auf und tänzelte auf den Hinterbeinen,

doch die Reiterin blieb gelassen. Mit einer Hand hielt sie

sich am Sattelknauf fest, mit der anderen riss sie sich eine Blume aus dem Kranz, der ihren Kopf schmückte, und warf sie dem Italiener zu. Der Südländer fing das Geschenk auf, drückte es sorgsam an seine Brust wie einen wertvollen Schatz und rief wiederholt aus:

«Mamma mia, mamma mial»

Die schöne Frau aber blickte den feurigen Italiener gar nicht an;sie nahm die Zügel ihres Pferdes auf und lenkte es auf die Leute am Straßenrand zu. Die Menge machte ihr Platz. Die junge Frau stieg vom Pferd und ging auf eine offenbar europäische Frau zu, die ein kleines Mädchen in den Armen hielt. Die Kleine schlief.

Das Gesicht der Mutter war blass, ihre Augen müde. Ihre etwas gebengte Haltung verriet, dass ihr das Tragen des Kindes nicht leicht fiel, aber trotzdem bemühte sie sich, den Schlaf ihres Babys nicht zu stören. Die Reiterin blieb vor der Mutter stehen und lächelte sie an.

Die Blicke der beiden Frauen, der beiden Mütter begegneten sich.

Angesichts der wilden Frische der jungen Reitersfrau, vergleichbar mit der Blüte tausender Gärten, wirkte die Mutter mit dem Kind in den Armen wie eine verwelkende Blume.

Die beiden Frauen sahen sich schweigend an. Plötzlich sprang

gleichsam ein Funke der Erkenntnis von der Reitersfrau zu der Mutter mit dem schlafenden Kind über, und ein Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Mit graziöser Anmut nahm die Russin den schönen Kranz von ihrem Kopf und setzte ihn auf den Kopf der Mutter mit dem Kind. Dabei wechselten die beiden nicht ein Wort.

Dann schwang sich die schöne Reiterin mit einem eleganten Satz wieder auf ihr Pferd und ritt von dannen. Aus irgendeinem Grund applaudierten die umstehenden Menschen. Die schlanke Frau mit ihrem inzwischen aufgewachten Töchterchen auf den Armen sah ihr lächelnd hinterher, während der Italiener sich hastig seine Uhr

vom Arm riss und laut rief: «Souvenir, mamma mia!›› Aber sie war schon fort

Das stolze Ross bog von der Straße ab und kam an einen Platz, auf dem hinter langen Tischen Touristen saßen, die Kwass* und Fruchtsaft tranken und verschiedene Speisen kosteten, die von den Kellnern aus dem schön geschnitzten Holzhaus serviert wurden.

Nebenan wurde ein weiteres Haus gebaut. Zwei Männer brachten gerade an einem Fenster des neuen Gebäudes - wahrscheinlich ein Laden oder Restaurant - eine kunstvoll geschnitzte Holzverkleidung an. Abgelenkt durch das laute Klappern der Pferdehufe, wandte sich einer der beiden der Reiterin zu, sagte etwas zu seinem Kameraden und sprang von dem Baugerüst. Die schöne Reiterin brachte ihr Pferd zum Stehen, stieg ab, band schnell eine linnene Tasche vom Sattel los, lief zu dem Mann und reichte ihm schüchtern

die Tasche.«Hier, Piroggen mit Apfelfüllung, so wie du sie magst, und noch warm.››

«Du bist mir ja eine ganz Flotte, Jekaterinkas, sagte der Mann

zärtlich, nahm aus der Tasche eine Pirogge und biss mit vor Wonne zusammengekniffenen Augen hinein.

Die Gäste an den Tischen unterbrachen ihr Essen und Trinken

und sahen dem Paar zu. Wie die beiden einander so gegenüberstanden, muteten sie eher an wie zwei frisch Verliebte und nicht wie ein Ehepaar, das bereits Kinder hat. Die gleiche Reitersfrau, die gerade unter den begeisterten Blicken der Touristen fünfzehn Kilometer durch die Lande galoppiert war, voller Kraft und Freiheit, stand jetzt eher scheu vor ihrem Auserwählten. Plötzlich hörte der Mann

auf zu essen und sagte: «Jekaterinuschka, sieh nur den nassen Flecken auf deiner Bluse. Höchste Zeit, dass du Wanjetschka die Brust gibst»

Jekaterina bedeckte verlegen den Milchflecken mit ihrer Hand

und antwortete: «Er schläft noch. Ich werde es schon schaffen. Alles werde ich schaffen.››

«Dann beeil dich. Ich komm auch bald nach Hause. Wir sind

fast fertig. Schau mal, wie gefällt dir unsere Arbeiti»

Sie betrachtete die Holzschnitzereien an den Fenstern und sagte: «Wirklich sehr schön. Aber ich habe dir noch etwas zu sagen.›› «Dann sprich.:-›

Sie trat auf Zehenspitzen ganz dicht an ihren Gatten heran, als wollte sie ihm etwas ins Ohr flüstern. Er neigte sich zu ihr und hotchte. Doch anstatt etwas zu sagen, gab sie ihm einen flinken Kuss auf die Wange, drehte sich um und sprang auf den Sattel des wartenden Pferdes. Ihr glücklich perlendes Lachen vermischte sich mit dem Klappern der Pferdehufe. lhr Heimritt führte sie nicht über die Asphaltstraße, sondern über Feldwege und Wiesen. Wie zuvor, sahen ihr all die Touristen noch lange hinterher. Es war schon ein seltsamer, aber umso schönerer Anblick, die junge Mutter von zwei Kindern auf ihrem kühnen Ross durch die Lande reiten zu sehen. Ja, sie sprühte nur so vor Energie. Doch wieso sahen ihr alle

Leute so unablässig hinterher? Vielleicht war sie mehr als einfach eine Frau, die auf einem Pferd über die Wiesen ritt? War die junge Schönheit, die nach Hause eilte, um ihr Kind zu stillen und auf ihren Geliebten zu warten, am Ende so etwas wie die Glückseligkeit in Person? Wie dem auch sei, die Leute erfreuten sich am Anblick dieser dahineilenden Glücksfee.

* Kwass: traditionelles russisches, schwach alkoholisches Getränk aus gegorenem Brot, Mehl, Malz u.a.

Die Bücher findet Ihr auf

www.Zedernwelt.de

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